Vorwort

Unternehmenshaus

Ein Haus, ein Baum, ein Kind: So einfach ließ sich das mal definieren. In der heutigen Zeit entspricht dieser Dreisatz keineswegs mehr der Realität: Eine Single-Mietwohnung, ein gekaufter Ficus auf der Fensterbank und ein Smartphone sind die heutigen modernen Alternativen dafür. Die Fülle der Möglichkeiten, das WWW, also das Welt-Weite-Wissen, lassen sehr viel Raum für Entfaltung. Dies ist sicherlich ein großer Verdienst unserer zivilisierten und freien Welt, aber er vernebelt auch die Klarheit der Lebensaufgaben vergangener Zeiten. Worum geht es letztlich bei der Haus-Baum-Kind-Metapher? Es geht aus meiner Sicht letztlich darum, etwas zu hinterlassen, was für andere von Wert ist. Ja, für andere. „Was bleibt wenn ich gehe?“ ist hierbei die zentrale Frage. Trotz all unserer zum Teil sehr individuellen Unterschiede in Charakter und Kompetenzen, steht uns allen grundsätzlich dieselbe Lebenszeit zur Verfügung, um etwas Bleibendes zu schaffen. Jedoch verwenden wir diese Lebenszeit sehr unterschiedlich.

Die meisten Menschen verbringen den größten Teil ihrer aktiven Zeit in ihrem beruflichen Umfeld, also mit ihrer Arbeit. Wenn die berufliche Zeit die Überwiegende ist um etwas Bleibendes zu schaffen, warum sind dann viele Lebensziele der Menschen sehr oft auf den privaten Teil ihrer Lebenszeit ausgerichtet? Warum ist Arbeit, und die damit verbrachte Zeit, häufig nur Mittel zum Zweck, also auf das Geldverdienen fokussiert, um mit diesem Geld dann in der restlichen Zeit, der Freizeit, den wirklichen Lebenszielen nacheifern zu können? Warum verbinden so wenige Menschen ihren Lebenstraum auch mit der beruflichen Tätigkeit? Dieses Buch ist auch ein Appell, ein Aufruf an all diejenigen, die sich genau mit diesen Gedanken tragen: Die berufliche Tätigkeit den eigenen Lebenszielen, den eigenen Träumen unterzuordnen. Das berufliche Tun mehr werden zu lassen, als nur Arbeit zu verrichten und Geld zu verdienen. Leben Sie Ihren Traum: Ein anderer wird es nicht für Sie tun!

Für viele Menschen bedeutet das Leben des eigenen Lebenstraums aber auch, sich in unbekannte, unsichere Gebiete zu begeben. Ja, es gehört Mut dazu, seinen Traum zu leben. Ja, es sind leider viel zu wenige, die diesen Mut aufbringen. Ja, es ist anstrengend und es hat auch mit Entbehrungen zu tun. Und ja, es ist das Größte und Schönste was ich mir vorstellen kann: Ein Leben zu führen, was sich an der Erfüllung der eigenen Wünsche und Träume orientiert. Was überwiegend selbst-bestimmt ist, ohne mich dabei über andere zu stellen. Wo der Begriff Arbeit völlig verschwindet, weil ich sie nicht mehr als Arbeit empfinde, da sie so erfüllend ist, weil sie sich in veredelte Freizeitbeschäftigung wandelt. Ein Leben voller Freizeit, also freibestimmter Zeit, die mir als überwiegender Teil der Woche zur Verfügung steht. Damit meine ich nicht Nichtstun, sondern vielmehr proaktives Handeln für mich und andere, immer mit dem Fokus „Was bleibt wenn ich gehe?“. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage „Ich habe keine Zeit“ immer eine Lüge. Ich habe immer Zeit! Es ist eine Frage der Prioritäten und nicht der Zeit: „Das ist mir nicht wichtig genug“ ist eine ehrliche Antwort oder auch „Andere Themen erscheinen mir jetzt dringender“.

Aber das kann ich doch nicht machen? Warum nicht? Die eigene Zeit und deren Verwendung frei bestimmen zu können, ist in unserer Gesellschaft für jeden möglich: Wir brauchen keine Existenzängste haben. Das Überleben ist in unserer Gesellschaft sichergestellt: Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt. Sich auf das soziale System zu betten ist möglicherweise mit wenig Komfort verbunden, aber wir alle brauchen keine Existenzängste zu haben. Es geht in unserer Gesellschaft grundsätzlich immer „nur“ um die Frage der Lebensqualität aber nicht der Überlebensqualität. Somit ist das, was wir gerade tun, das womit wir gestern und heute unsere Zeit verbringen, von uns selbst gewählt worden. Bewusst oder unbewusst, aber es wurde von uns selbst gewählt. Sind Sie glücklich mit der Art und Weise, wie Sie Ihre Lebenszeit verwenden? Führt es zur Verwirklichung Ihrer Lebensträume? Wenn Sie dies verneinen oder sich nicht sicher sind, warum ändern Sie das dann nicht? Wenn Sie zu den wenigen gehören, die Ihren Traum leben, dann erhalten Sie sich das und schauen Sie nach Menschen in Ihrem Umfeld, denen es anders geht. Möglicherweise möchten die sich verändern und brauchen nur ein wenig Unterstützung dabei.

Es gibt Menschen, die die Schuld für Ihre Situation „da draußen“ suchen. „Ich kann doch nicht“, „ich muss doch“ oder noch besser „man kann doch nicht“. Diese Sichtweise ist grundsätzlich falsch und auch gefährlich. Ich bin für alles verantwortlich, was mein jetziges Leben ausmacht. Ich kann es selbst ändern. Wenn ich andere dafür verantwortlich mache, dann gebe ich mein Leben aus meinen Händen und gebe anderen Macht über mich. Ich persönlich sehe mich niemals als Opfer, ich bin immer Täter und damit ist alles was mir widerfährt eine Reaktion auf mein eigenes Handeln oder eben Nicht-Handeln: Ich habe es so gewollt oder zumindest gewünscht, dass es so passiert. Ich allein bin verantwortlich. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine bessere Gesellschaft für alle hätten, wenn mehr Menschen diesen Grundsatz „Ich bin verantwortlich“ leben würden. Immer wenn ich jemanden kennenlerne, der das anders sieht, versuche ich ihn zu diesem Perspektivenwechsel zu bewegen. Wenn ich das bei anderen Menschen erreiche, auch wenn es nur sehr wenige sein sollten, dann habe ich schon etwas geschaffen, was bleibt, wenn ich gehe.

Neben der freien Zeitbestimmung wähle ich auch mein persönliches Umfeld selbst, also insbesondere die Menschen, mit denen ich mich regelmäßig und wiederholt umgebe. Im privaten Bereich können die meisten Menschen sicherlich eher beeinflussen, mit welchen Menschen sie sich umgeben als im beruflichen Umfeld. Allerdings wenn ich mein Unternehmen oder zumindest meinen Unternehmensbereich frei selbst gestalten kann, so kann ich auch dieses Umfeld der beteiligten Menschen maßgeblich beeinflussen: Ich muss nicht mit dieser Person zusammenarbeiten, ich kann. Hierbei hat der Unternehmer, der sein Unternehmen selbst gründet und aufbaut, sicherlich ein besonderes von ihm selbst beeinflussbares Umfeld: Unternehmersein schafft ein starkes Fundament für zeitliche und soziale Selbstbestimmung.

Warum gründen dann so wenige ein Unternehmen? Leider haben viele Menschen unnötige Angst vor dem Gründen und dem Ausbau eines Unternehmens. Diese Angst möchte ich in Freude, Begeisterung und proaktive Energie verwandeln. Dadurch, dass ich in diesem Buch mehr Sicherheit, Klarheit und Einfachheit des Auf- und Ausbaus eines Unternehmens darstelle. Ein Unternehmen aufzubauen ist einfacher als viele vielleicht denken: Fragen Sie einfach jemanden, der es schon erfolgreich gemacht hat. Vor diesem Hintergrund der Verwirklichung der Lebensträume, lauteten meine zentralen Fragen beim Erstellen des Konzepts für dieses Buches: Wie kann der Aufbau und die Entwicklung eines Unternehmens einfach dargestellt werden? So einfach, dass jeder, der sich auf das Abenteuer „Unternehmersein“ einlässt, einen Leitfaden für die Umsetzung erhält? Wie können selbstbestimmende, energiereiche Menschen dieses Konzept für ihr Unternehmen in die Praxis umsetzen? Kann ein solch einfacher praxisorientierter Leitfaden für den erfolgreichen Aufbau und das dauerhafte Bestehen eines Unternehmens überhaupt geschaffen werden? Dieses Buch will einige Antworten auf diese Fragen geben. Die hier vorgestellten Ideen, Konzepte und Methoden wurden von mir zusammengetragen und entwickelt. Sie basieren auf der meistens mit Erfolg gekrönten Gründung und Führung von inzwischen 25 Jahren Praxis-Erfahrungen und 10 Unternehmensgründungen. Eigene Fehler haben mich dabei viel lernen lassen. Sie werden durch eine Vielzahl von Büchern, Seminaren, persönlichen Gesprächen gestützt. Dieses Modell wurde nicht nur in meinen eigenen Unternehmen sondern inzwischen auch in den von mir und meinen Partnern direkt oder indirekt beratenen Unternehmen validiert und optimiert. Ich glaube, dass ich ein klareres Konstrukt für das Gebilde „Unternehmen“ erarbeitet habe und für dessen Realisierung einen einfachen, nachvollziehbaren Weg aufzeige. Ziel war es auch für mich mehr Klarheit und Einfachheit zu gewinnen, das Nicht-Funktionieren der Vergangenheit zu begründen und das Funktionieren für die Zukunft wahrscheinlicher zu machen.

Vielleicht sollte aus „Ein Haus, ein Baum, ein Kind“ dann „Eine Wohnung, ein Ficus, ein Smartphone und ein Unternehmen“ werden. Ich wäre damit einverstanden.

Viel Spaß beim Lesen und Umsetzen!

Einleitung

Mein Unternehmenshaus: Das Bild eines Unternehmens als Haus. Dahinter steckt die Idee: Ich (oder wir) baue(n) ein Haus. Mein Unternehmenshaus. Wie sieht dieses Haus aus? Welche Räume hat das Haus? Die zentrale Frage beim Bau des Unternehmenshauses lautet: Für wen ist das Haus? Wer wird einziehen? Wer sollte in der Mitte des Hauses stehen? Wer ist die wichtigste Person im Unternehmenshaus? – Ich? Mein Lebenspartner? Meine Kinder? Meine Eltern? Oder weil es ja ein Unternehmen ist: Meine Mitarbeiter? Mein Steuerberater? Mein IT-Administrator? Ich bin fest davon überzeugt, dass das nur der Kunde sein kann!

Kunden-Nutzen
Jedes Unternehmen, was primär und überwiegend für den Kunden gebaut wird, hat eine deutlich größere Chance als andere Unternehmen. Der Kunde wohnt mitten in (meinem) Unternehmenshaus: Das Haus ist nicht für mich, sondern für den Kunden gebaut. Die einzige Existenzberechtigung für ein Unternehmenshaus ist das Schaffen einer Umgebung, in der sich der Kunde wohlfühlt, damit er dort gerne ist und dauerhaft einzieht. Idealerweise bringt er dann auch seine Freunde mit ins Unternehmenshaus, also potentielle Neukunden. Wann wird sich der Kunde im Haus wohlfühlen? Nun, wenn er einen Nutzen bekommt. Einen Nutzen, den er für wertvoll empfindet. Um es nochmals deutlich zu sagen: Nutzen, den er für wertvoll empfindet. – Was ist der Nutzen, den der Kunde erhalten soll? Wie genau ist dieser Nutzen definiert und woher weiß ich, dass er diesen Nutzen auch als wertvoll empfindet? Nutzen sicherzustellen ist nach meiner Erfahrung die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe, der sich jeder Unternehmer stellen muss. Kunden-Nutzen ist der Kern, das Zentrum des Unternehmenshauses um den sich alles andere dreht. Der Kunden-Nutzen steht im Mittelpunkt. Kein Nutzen? Kein Unternehmen! Wie ich meinen Kundennutzen erarbeite und im Unternehmenshaus verankere, wird im ersten Kapitel und somit dem wichtigsten Kapitel dieses Buches erläutert.

Werte-Mission-Vision
Das Fundament des Hauses ist die Basis für alles, was im und am Haus existiert. Wenn das Fundament nicht stark und gesund ist, dann wird es das Haus nicht tragen können. Das Haus bricht zusammen. Ein Wachstum des Hauses ist so auch nicht möglich. Es muss möglicherweise sogar wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Es darf nicht mehr betreten werden. Nicht von mir und erst recht nicht mehr von den Kunden. Das Fundament muss auch alle Geschosse tragen können: Wie hoch will ich mit den Kunden hinaus? Wie viele Geschosse wird das Haus haben? Meine Werte, meine Mission und meine Vision bilden das Fundament des Unternehmenshauses. Werte sind die Kriterien, die für mich persönlich und für mein Unternehmen fundamental existenziell sind. Sie bilden die Basis meines Denkens und Handelns. Ich gebe diese vor: Wenn sie erstmal festgelegt wurden, sind sie nicht diskutierbar und zeitüberdauernd. Menschen, die ähnliche Werte haben, werden sich wohlfühlen. Menschen mit völlig konträren Werten werden nicht in das Unternehmenshaus einziehen oder wenn sie doch einziehen, dann nur sehr kurzfristig. Die Vision ist die Vorstellung von der Zukunft. Sie ist ein Bild von dem, was ich mit dem Unternehmenshaus langfristig erreichen will. Sie bietet Sinn und Motivation. Sie visualisiert eine bessere Welt, also ein Bild von einer besseren Zukunft, die ich mit dem Unternehmen manifestieren will. Die Mission ist das Leitbild des Unternehmens. Sie gibt eine Orientierung für das tägliche, wertebasierte Tun. Sie ist konkreter als die Werte und gibt einen Handlungsrahmen vor. Sie stellt Prinzipien dar, die wie Leuchttürme in der stürmischen See sind: Auch wenn es noch so unübersichtlich und gefahrvoll werden sollte, stehen diese fest und sind sichtbare Orientierungshilfen. Die Mission beschreibt einen wertebasierten Weg zur Umsetzung der Vision. Viele Unternehmen schreiben diese Werte, Mission und Vision gar nicht oder erst nach Jahren der Existenz auf. Ich empfehle die Werte, Mission und Vision möglichst früh, am besten schon vor der Gründung schriftlich festzuhalten. Letztlich geht es um meine grundlegenden Prinzipien für das menschliche Miteinander: Nur wer hat diese schon selbst für sich aufgeschrieben und nach außen veröffentlicht? Im Fundament meines Unternehmenshauses werden diese festgehalten. Das zweite Kapitel baut das Fundament des Unternehmenshauses.

Ziele
Das Dach eines Hauses schützt vor äußeren Einflüssen insbesondere vor Regen, Schnee oder zu viel Sonne. Das Dach ist das, was nach oben weist. Es zeigt wo es hingeht. Im Dach sind die Unternehmens-Ziele verankert. Mindestens im Unternehmensumfeld gilt: Ergebnisorientiertes Handeln ist durch nichts zu ersetzen. Für ergebnisorientiertes Handeln gibt es einen einfachen Trick: Streichen Sie das Wort „Warum“ und ersetzen Sie es durch ein „Wozu“: Ein „Wozu“ fragt nach dem Ziel und schaut somit in die Zukunft, ein „Warum“ fragt nach dem Grund und blickt somit zurück. Ein Geheimnis für Erfolg ist: Nach vorne blicken: 1.000 Mal so oft an das Ziel, an das Ergebnis, an die Lösung eines Problems denken, wie an die Vergangenheit, das Problem selbst oder der Suche nach einem Schuldigen. Ziele sind erst dann unternehmerische Ziele wenn diese SMART sind. Arbeite smart und nicht hart steckt dahinter, also das Richtige auf die richtige Art und Weise zu tun, kurz E³: Effiziente und Effektive Energielenkung. Diese Themen werden im dritten Kapitel erörtert.

Organisation
Es sind Wände, die Fassade, die die äußere Struktur des Hauses bilden. Die Wände geben Stabilität und Schutz. Sie schützen vor äußeren Einflüssen, vor Wärme, Kälte, Regen, Schnee, Unwetter. Sie schützen auch vor ungebetenen Gästen oder Tieren. Sie schaffen eine angenehme und anregende Atmosphäre und dienen primär dem Kunden. Fenster und Türen sorgen für Licht und Freiheit. Freiheit selbst das Haus verlassen zu können und Licht für mehr Wohlbefinden und Sicht nach draußen sowie auch von außen nach innen. Sie bieten aber auch allen im Haus lebenden Menschen die Sicherheit, nicht einfach am Ende der Etage in die Tiefe zu stürzen. Mit der äußeren Struktur des Unternehmenshauses ist die Organisation des Unternehmens gemeint: Welche Rahmenbedingungen gibt es, die ich nicht persönlich beeinflussen kann: Rechtlich, organisatorisch, vom Umfeld, in dem das Unternehmen tätig ist? An welche Richtlinien will sich das Unternehmen halten? An welche Richtlinien muss sich das Unternehmen halten? Was sind die Vorgaben, die Leitplanken für die Mitarbeiter? Welche Qualitätskriterien sollen eingehalten werden? Welche müssen eingehalten werden? Was sind Vorgaben für die Kunden, also die wichtigsten Bewohner des Unternehmenshauses? Betriebliche Abläufe, die sich in der Praxis bewährt haben, wie z.B. Verfahrens-, Qualitätsmanagement, ISO-Handbuch etc. gehören in diesen Bereich. Was sind also die Rahmenbedingungen, die ich beeinflussen kann und sollte? Die Wände des Unternehmenshauses stützen und unterstützen die Ziele, also das Dach. Sie stehen fest auf dem Fundament und geben den Rahmen des Hauses vor. Nach außen und auch nach innen. Ein Fundament muss diese Wände tragen können. Die Wände tragen gemeinsam mit dem Fundament das Dach. Das vierte Kapitel ist diesem tragenden Rahmen gewidmet.

Prozesse
Alle erfolgreichen Unternehmen agieren mit sich wiederholenden Tätigkeiten. Nur dadurch kann Qualität garantiert werden. Diese sich wiederholenden Tätigkeiten lassen sich beschreiben, festlegen, optimieren und dann weitestgehend automatisieren. Dazu dienen die Prozesse des Unternehmens. Nur da, wo ich tatsächlich menschliche Intelligenz und Tun, also mehr als nur Informationen, Wissen oder mechanische Handlungen sondern Charakter und Kompetenzen benötige, da kann ich nicht automatisieren und da sollte ich auch nicht automatisieren. Es geht hier also mehr um die Inneneinrichtung des Hauses. Die Art und Anordnung der Räume im Haus. Es geht um kurze Wege für den Kunden, um Komfort, um Nutzen-Zur-Verfügung-Stellen. Der wichtigste Prozess mit dem das Unternehmen einen Wert für den Kunden schafft ist die Wertschöpfungskette. Dieser Nutzen-Erzeugen-Prozess muss klar, einfach und damit unmissverständlich dargestellt werden. Das Unternehmen erreicht genau dann Exzellenz, wenn dieser Kernprozess herausragend gut umgesetzt wird. Diesen Kernprozess immer etwas besser zu machen, in der Praxis bewährte Methoden einfließen zu lassen, gleiche Abläufe zu denselben, vorherbestimmbaren Ergebnissen zu führen, ist der Bereich, in dem das Unternehmen nie aufhören darf, zu optimieren. Hier ist primär Nutzen-Optimierung für den Kunden gemeint und sekundär Kostenoptimierung. Diese Verwechslung ist ein fundamentaler Fehler. Durch Nutzen-Optimierung kann es zu einer Kostenoptimierung kommen, umgekehrt ist das nur selten der Fall. Und wenn dann wäre es wohl eher Zufall und nicht Planung. Durch Nutzenoptimierung bleibt die Innovationskraft des Unternehmens erhalten. Durch Kostenoptimierung stirbt diese. Im fünften Kapitel geht es um die Prozesse im Unternehmen und diesen wesentlichen Prozess, die Wertschöpfungskette.

Team
Es gibt keine Unternehmen – es gibt nur Mitarbeiter und Produkte, die dieses Unternehmen repräsentieren. Tolles Team und tolle Produkte gleich tolles Unternehmen. Das Team hat vielfältige Aufgaben. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, dem Kunden ein wenig mehr als den versprochenen Nutzen zu liefern. Dies gilt nicht nur bei Dienstleistungen für den Kunden, sondern auch bei der Erstellung des Produktes für den Kunden. Warum ein wenig mehr? Nun, weil Service und Qualität die Saat für jedes Unternehmenswachstum sind. Wenn das Team nur genau das liefert, was verlangt wurde, dann wächst es nicht und damit auch nicht das Unternehmen. Also immer etwas mehr. Auch wenn es nur wenig mehr sein sollte. Das unerwartete Nachfragen, der Extra-Anruf, die Mail, die kleine Aufmerksamkeit. Das Team wohnt im Haus, ganz nah beim Kunden. Es wohnt Tür an Tür mit dem Kunden. Team und Kunden sind Nachbarn. Vielleicht teilen sich sogar einzelne Mitarbeiter eine Wohnung mit den Kunden: Sie leben in einer Wohngemeinschaft mit gemeinsamer Küche, Bad, Flur, Wohnzimmer. Sie vertrauen einander. Das Team geht hierbei in Vorleistung: Es schenkt den Kunden Vertrauen um wiederum selbst Vertrauen zu erhalten. Das Team ist für die Räume verantwortlich. Es organisiert, ordnet, reinigt, repariert. Es ist das Facility Management, der Concierge, der persönliche Butler des Kunden. Das Unternehmenshaus zu pflegen und dessen Wert zu erhalten und zu steigern, ist die vorrangige Aufgabe des Teams. Damit der Kunde sich zu Hause fühlt und nicht über ein anderes Heim nachdenkt. Im sechsten Kapitel geht es um das Team.

Finanzen
Schließlich bleibt noch der letzte Bereich des Unternehmenshauses: Die Finanzen. Gewinne eines Unternehmens sind wie Atem und Nahrungsaufnahme für Menschen: Sie sind dringend erforderlich, sonst stirbt der Organismus “Unternehmen”. Gewinne sind immer ein Erfolg von Nutzen, den das Unternehmen für andere gestiftet hat. Da das leider in der Wirtschaft überwiegend anders behauptet wird, wiederhole ich diesen Satz: Gewinne sind immer ein Erfolg von Nutzen, den das Unternehmen für andere gestiftet hat. Mit einem einzigen Ziel “Gewinn erwirtschaften” sind Unternehmen nicht langfristig überlebensfähig. Mit dem Ziel “Mehr Nutzen für Kunden schaffen” sind Unternehmen dann dauerhaft erfolgreich, wenn durch diesen Nutzen auch wieder mehr Gewinn für das Unternehmen entsteht. Gewinn entsteht, wenn das Unternehmen mehr Einnahmen als Ausgaben hat. Eigentlich völlig logisch, oder? Nur warum wird genau dieses Prinzip in so vielen Unternehmen nicht konsequent verfolgt? Gewinn, also Geld ist eigentlich nichts anderes als Freiheit. Freiheit wählen zu können: Freizeit, Urlaub, Spaß, Arbeit, Wachstum, Kooperationen mit anderen Unternehmen, Rückvergütungen, Preis-Offerten, Spenden, etc. Mit Geld kann ich mir Zeit kaufen. Lebenszeit, denn ich muss nicht mehr alles selbst machen. Eine kluge Form des langfristigen Aufbaus von Lebensqualität ist daher das Re-Investieren in das Unternehmenshaus: In die Qualität, den Komfort, die Schnelligkeit, das Team also in den Nutzen, den der Kunde erhält. Nicht alles vom Gewinn, aber immer ein fester großer Teil des Gewinns sollte hierfür verwendet werden: Auch beim Unternehmenshaus gilt: Frühe Reparaturen und Wartungen vermeiden überraschende Not- und Ausfälle. Im siebten Kapitel geht es um die Finanzen.

Ich
Damit ist das Unternehmenshaus fertig: Der Kunde als wichtigster Bewohner. Das Fundament, Dach und Wände für den äußeren und inneren Rahmen. Prozesse, Team und Finanzen als Mit-Bewohner für den Kunden. Allerdings fehlt noch ein wichtiger Teil des Unternehmenshauses. Das bin ich selbst. Was ist meine eigene Rolle im Unternehmenshaus? Wo befinde ich mich? Bin ich beim Kunden, um dessen Nutzen sicherzustellen? Wohne ich im Fundament als Wächter der Werte, Mission und Vision, um sicherzustellen, dass das Fundament das Richtige ist und dessen Aktualität und Stabilität zu gewährleisten? Gefährdungen von außen (und innen) zu erkennen und zu bekämpfen? Residiere ich im Dachgeschoß ganz nah bei den Zielen, um an diesen zu arbeiten und deren Erreichung zu überwachen? Oder bin ich Verantwortlicher für die Organisation des Unternehmens und deren Einhaltung, also die Wände, Türen und Fenster des Hauses? Oder bin ich operativ im Unternehmen tätig und Teil der Prozesse? Bin ich also eingebunden in das tägliche Geschäft als Teil der Wertschöpfungskette? Schaffe ich somit durch meine eigene Tätigkeit einen Wert, einen Nutzen für den Kunden? Möglicherweise bin ich als Führungskraft des Teams in einer leitenden Funktion eines Bereiches, Unternehmensteils oder gar einer Führungsmannschaft des Unternehmens? Oder bin ich für die Finanzen verantwortlich und somit Wächter des Controllings? Oder bin ich sogar in allen Bereichen des Unternehmenshauses vertreten, da ich mich nicht entscheiden kann und auch mein Talent in allen Bereichen zu sehen glaube? Somit überall ein bisschen, aber nirgends richtig und fokussiert. Oder bin ich selbst Unternehmer und arbeite am und nicht im Unternehmen? Dann wäre ich außerhalb des Hauses mit Blick von außen. Nun diese Frage ist natürlich sehr von meiner Persönlichkeit und meinen Fähigkeiten abhängig. Die eigene Rolle im Unternehmen schon früh festzulegen ist sehr wichtig. Die meisten Unternehmer haben genau das nie konkretisiert und bleiben daher in vielen Bereichen des Hauses ohne bewusste Entscheidung hängen. Im achten Kapitel geht es meine eigene Rolle im Unternehmenshaus.

Unternehmensarchitekt
Ich persönlich sehe mich als der Architekt, der das Unternehmenshaus den Wünschen der Bewohner entsprechend, geplant, gebaut und dann übergeben hat. Fundament, Dach, Wände, Inneneinrichtungen: Alles ist so, wie ich es in Abstimmung mit den Bauherren umgesetzt habe. Ein Haus, das ich gemeinsam mit den Bewohnern geschaffen habe. Mein Haus für andere, ich selbst würde mich auch sehr wohl darin fühlen. Es ist gebaut und alle Verantwortlichkeiten sind definiert. Ich habe somit die Wahlfreiheit. Ich kann selbst frei entscheiden, in welchem Bereich ich aktiv sein will. Und das, denke ich, ist letztlich das Größte, was ich als Unternehmer erreichen kann: Wahlfreiheit in der Verantwortung. Ich kann selbst entscheiden ob ich im Unternehmen oder am Unternehmen aktiv sein will. Je nachdem, wo meine Stärken liegen. Welche Mitarbeiter habe ich, die das viel besser können als ich? Wenn ich glaube, diese Mitarbeiter nicht zu haben: Wie schaffe ich es, dass Mitarbeiter besser als ich in jedem Bereich des Unternehmens sind? Als Inhaber, als Unternehmer bin ich Unternehmensarchitekt. Ich plane, baue und übergebe (!) das Unternehmenshaus. Schlüsselfertig. Vom Fundament bis Finanzen. Sind Sie bereit, zum Unternehmensarchitekt zu werden? Wollen Sie Ihr Unternehmenshaus bauen? Ein Haus, was nicht für ein, zwei oder zehn Jahre sondern für hundert Jahre gebaut wird? Etwas, was bleibt wenn Sie gehen? Dann beginnen Sie jetzt mit dem Abenteuer Hausbau: Es geht um mehr. Unternehmen ist ein Verb: Tun Sie es! Jetzt! Übrigens: Vor dem Unternehmen kommt das Übernehmen. Das Übernehmen von Verantwortung. Am Anfang ist damit die Verantwortung für das eigene Leben gemeint. Später ist es das Begleiten und Fördern der Verantwortungsübernahme von anderen Menschen, damit diese dann auch durch deren Übernehmen ebenfalls ein Unternehmen bauen können.

Viel Spaß beim Lesen, viel Erfolg beim Umsetzen.
Ihr Unternehmensarchitekt Rene Zimmer

Weiterlesen 1. Kunden-Nutzen

Hier haben Sie die Möglichkeit sich das PDF zum Kapitel herunter zu laden.

Vorwort   Vorwort